Herzinfarktrisiko ausrechnen und gezielt vorbeugen

Herzinfarktrisiko ausrechnen und gezielt vorbeugen

Der Herzinfarkt ist jedoch kein unvorhersehbarer Schicksalsschlag. Wissenschaftler um Prof. Gerd Assmann vom Institut für Arterioskleroseforschung in Münster haben ein "Punkte-Modell" entwickelt, mit dem das individuelle Risiko, innerhalb von 10 Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden, errechnet werden kann (Circulation 2002; 105: 310-315).

Dieses "Punkte-Modell" basiert auf den Daten von 5389 Männern aus der PROCAM-Studie, die vor 25 Jahren begonnen wurde. Es berücksichtigt die komplexen Einflüsse von LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeriden (Neutralfette), Blutdruck, Lebensalter, Diabetes mellitus, Zigarettenrauchen sowie eines Herzinfarkts bei Familienangehörigen. Dabei wird jedem dieser Risikofaktoren ein Punktwert zugeordnet. Beispielsweise schlagen LDL-Cholesterin-Werte zwischen 100 und 129 mg/dl mit nur fünf Punkten "zu Buche", während Werte zwischen 160 und 189 mg/dl mit 14 Risikopunkten veranschlagt werden. Für die Summe der Risikopunkte kann dann in einer Tabelle das entsprechende 10-Jahres-Risiko für einen Herzinfarkt abgelesen werden.

Als Hochrisikopatient gilt, wer ein geschätztes Herzinfarktrisiko von über 20% hat (Summe der Risikopunkte =54, siehe Grafik). Mindestens jeder 5. mit einem solchen Globalrisiko erleidet ohne Intervention tatsächlich innerhalb von nur 10 Jahren einen Herzinfarkt. Hochrisikopatienten benötigen eine gezielte Behandlung der Risikofaktoren, die das individuelle Risiko besonders erhöhen.

Aber auch wer ein Globalrisiko zwischen 10% und 20% hat (Summe der Risikopunkte zwischen 45 und 53 Punkten), ist gefährdeter als die meisten Gleichaltrigen, in den nächsten 10 Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden (siehe Grafik). Diese Menschen sollten die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen unbedingt wahrnehmen; eventuell ist die gezielte Behandlung eines Risikofaktors sinnvoll. In jedem Fall können sie von den positiven Einflüssen einer günstigen Ernährung und eines herzgesunden Lebensstils auf Blutfettwerte, Blutdruck, Übergewicht und Blutzucker profitieren.

Das Herzinfarktrisiko von zunächst beschwerdefreien Hochrisiko-Personen ist nicht selten höher als bei Patienten mit bestehender koronarer Herzkrankheit. Mit dem PROCAM Punkte-Modell können Patienten mit einem erhöhten oder hohem Herzinfarktrisiko jedoch rechtzeitig erkannt werden. Dies kann Tausenden von Menschen das Leben retten. Nach Prof. Assmann lassen sich etwa 80% aller Herzinfarkte durch das Globalrisiko erklären. Somit kann eine gezielte Prävention auch zur Kontrolle der Gesundheitsausgaben beitragen.

Ermitteln Sie Ihr persönliches Herzinfarktrisiko auf der Internet-Seite der International Task Force for Prevention of Coronary Heart Disease. Sie finden auf der Seite auch wissenschaftliche Informationen und Tipps für eine schmackhafte Vorbeugung und einen herzgesunden Lebensstil.

Weitere Informationen unter: www.chd-taskforce.com

Nach wie vor ist der Herzinfarkt die häufigste Todesursache in Europa; allein in Deutschland sterben daran jährlich 180.000 Personen, etwa ein Viertel davon noch vor dem 70. Lebensjahr. Auch bei jüngeren Herzinfarktpatienten gibt es oft keine Warnsymptome, wie z.B. Herzschmerzen oder andere Herzbeschwerden.