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Immuntherapie

Immuntherapie

Seit einiger Zeit forschen Wissenschaftler, wie sie das Immunsystem bei einer Krebserkrankung wirksam unterstützen können. Eine Methode ist die Immuntherapie. Einige Ansätze der Immuntherapie bei bösartigen Tumoren beruhen auf der Verabreichung von Substanzen, die als Immunmodulatoren bezeichnet werden, was soviel bedeutet wie "Substanzen, die die Immunantwort beeinflussen". Es handelt sich dabei um dieselben Substanzen, mit denen sich die Abwehrzellen im Körper untereinander verständigen und aktivieren, so genannte Botenstoffe oder auch Zytokine.

Einige können bereits auf gentechnischem Wege hergestellt werden und sind somit für die Anwendung in reiner Form verfügbar, andere müssen aus Zellkulturen oder aus Spenderblut gewonnen werden. Die bekanntesten Beispiele sind die Interferone und Interleukine. Eine weitere Möglichkeit besteht im Einsatz von monoklonalen Antikörpern. Dies sind kleine Eiweißmoleküle mit Abwehrfunktion, die spezifisch gegen bestimmte Oberflächenmerkmale auf Krebszellen (Tumorantigene) gerichtet sind. Dadurch werden Krebszellen entweder direkt angegriffen oder andere Zellen und Funktionen der Immunabwehr aktiviert. Sie können auch mit Zellgiften oder radioaktiven Stoffen gekoppelt werden, um diese Substanzen direkt an die Krebszellen heranzubringen.

Tumorimpfungen sind aktive Immuntherapien. Wie bei einer Impfung gegen Viren oder Bakterien bietet man dem Immunsystem ein oder mehrere tumorspezifische Merkmale (Antigene) an, um so eine gezielte und damit spezifische Immunreaktion gegen den Tumor auszulösen. Der Unterschied zu herkömmlichen Impfungen gegen Infektionserkrankungen besteht darin, dass nicht die Verhütung der Erkrankung, sondern die Aktivierung des Immunsystems zur besseren Bekämpfung einer schon bestehenden Erkrankung angestrebt wird. Ein solches Verfahren wurde Mitte der 1980er Jahre in klinischen Studien zuerst in den USA bei Darmkrebs und dem malignen Melanom untersucht. Körpereigene Tumorzellen wurden durch Bestrahlung teilungsunfähig gemacht und mit einem Virus vermischt, um den Reiz für das Immunsystem zu erhöhen. Dieser "Cocktail" wurde in die Haut gespritzt mit dem Ziel, dort Abwehrzellen anzulocken und gezielt gegen Tumorzellen zu aktivieren. Man ging lange davon aus, dass durch die allgemeine Anregung auch die Abwehrreaktionen gegen den Tumor gesteigert würde, wobei diese Annahme bisher noch nicht bewiesen wurde. Zur Immunstimulation wurden schon verschiedene natürliche und synthetische Stoffe, Bakterienbestandteile und körperfremde Eiweiße eingesetzt. Die Behandlung mit Extrakten aus der Thymusdrüse und verschiedenen Pflanzeninhaltsstoffen beruht ebenfalls auf diesem Prinzip. Ob eine unspezifische Aktivierung des Immunsystems jedoch überhaupt Einfluss auf Krebserkrankungen hat, und wenn ja, ob einen positiven oder einen negativen, ist derzeit nicht ausreichend untersucht.

Mitte der 1990er Jahre kam eine internationale Untersuchungskommission jedoch zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit dieses Vorgehens trotz vieler Studien noch nicht ausreichend belegt sei. Neue Studien sind aber angelaufen.

In neueren Konzepten zur Tumorimpfung versucht man nicht mehr ganze Zellen oder Zellbruchstücke zu verwenden, sondern spezielle, chemisch definierte Eiweißmoleküle, die von Tumorzellen produziert werden. Von diesen weiß man sicher, dass sie vom Immunsystem als fremd erkannt werden. Hierbei werden bestimmte Zellen, die sich aus Blutvorläuferzellen züchten lassen, im Reagenzglas mit diesen Merkmalen beladen. Gibt man sie so bestückt dem Patienten zurück, präsentieren sie den Abwehrzellen die Tumormerkmale ganz gezielt als etwas, was bekämpft werden muss. Einen ähnlichen Effekt hat es, wenn man in Krebszellen das Gen eines Lock- und Aktivierungsstoffes für Abwehrzellen einschleust und sie in den Körper zurückgibt. Beide Verfahren sind allerdings noch in der Entwicklung. Ob und bei welchen Krebsarten sie eine sinnvolle Ergänzung zu den bewährten Behandlungsmaßnahmen sein können, muss weiter untersucht werden. Welche Ansätze derzeit verfolgt werden, ist oft selbst für Experten schwer überschaubar, da der Begriff "Impfen gegen Krebs" auch für andere Methoden verwendet wird.

In zahlreichen klinischen Studien werden derzeit tumorspezifische Antikörper erprobt. Vier (Herceptin, MabThera, MabCampath, Mylotarg) sind in Deutschland bereits zur Behandlung von Hochrisikopatienten zugelassen. Antikörper sind jedoch nur eine mögliche Strategie, dem Immunsystem auf die Sprünge zu helfen. Derzeit wird auch der Einsatz von Impfstoffen getestet, mit denen eine Tumorabstoßung ausgelöst werden soll. Bisher haben sich immuntherapeutische Verfahren nur bei einigen wenigen Krebserkrankungen als gleichwertige Alternative zu den herkömmlichen Behandlungsmethoden erwiesen. Insbesondere sind sie kaum in der Lage, große Tumore zu zerstören, so dass ihre Anwendung wahrscheinlich in erster Linie bei kleinen Tumorresten nach Operation oder Strahlentherapie angebracht ist.

In den 1970er Jahren entwickelten Wissenschaftler eine Methode, um große Mengen reiner Antikörper zu produzieren. Seitdem wurden Wege gesucht, um Antikörper zur Krebsbehandlung einzusetzen. Ein solcher Antikörper mit dem Namen Trastuzumab wirkt gegen bestimmte Brustkrebse. Er haftet sich an ein bestimmtes Protein auf der Oberfläche der Tumorzellen. Bei 25 bis 30 % der Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs kommt dieses Protein auf den Tumorzellen vor. Trastuzumab wird durch eine Infusion in eine Vene verabreicht. Die Behandlung erfolgt ambulant im Krankenhaus und dauert jeweils einige Stunden.

Wichtige Voraussetzung für eine effektive und schnell umsetzbare Forschung ist außerdem eine gute interdisziplinäre Interaktion zwischen den Wissenschaftlern. Um dies sicher zu stellen, wurde der Verein "Immunologische Krebs-Therapie e.V." (IKT) gegründet. Gründungsmitglieder sind Ärzte und Forscher aus verschiedenen Teilgebieten der klinischen und theoretischen Medizin der Universitäten in Berlin, Erlangen, Mainz und Tübingen. Ziel des Vereins ist es, eine Informations- und Ausbildungsplattform für immunologische Therapien bei Krebserkrankungen zu etablieren. Die Sammlung der Studien wird seit Juli 2003 im Internet veröffentlicht. Sie soll zu mehr Transparenz in der schwer überschaubaren Landschaft der unterschiedlichen Krebs-Therapieansätze führen. Außerdem will der Verein jährlich Kongresse zum aktuellen Stand der Immuntherapie veranstalten und interdisziplinäre Ausbildungskurse für Ärzte und Wissenschaftler organisieren.

Fazit:

Die Immuntherapie ist noch eine vergleichsweise junge Disziplin. Das wachsende Wissen über die komplexen Wechselwirkungen zwischen Tumoren und körpereigener Abwehr und die modernen Techniken der Molekularbiologie könnten aber zur Entwicklung neuer und wirkungsvoller Strategien und Behandlungskonzepte führen.

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