Gesundheit aktuell
Wichtige Tipps für den Hörerfolg
Experten raten: Hörsysteme frühzeitig anpassen, Tragedauer schrittweise steigern

Moderne Hörgeräte eröffnen neue Klangwelten und damit auch wieder den Zugang zu anderen Menschen. Unabdingbare Voraussetzung ist die fachgerechte Anpassung durch Hörgeräte-Akustiker. Und doch hängt der Erfolg ganz wesentlich auch von dem Menschen ab, der die Geräte trägt. Prof. Dr. Jürgen Kießling, Audiologe an der Universität Gießen, nennt die wichtigsten Punkte für den Hörerfolg: die Hörsysteme frühzeitig anpassen lassen, die Tragedauer am Anfang schrittweise steigern und nach der Eingewöhnung die Geräte möglichst den ganzen Tag tragen.
Wer schlecht sieht, sucht sich eine Brille aus. Augenarzt oder Optiker messen die Sehschärfe, der Optiker setzt die passenden Gläser ein und schon beim ersten Aufsetzen ist die Sicht klar. Ganz so ist es mit dem schlechten Hören und den Hörgeräten leider nicht. Die Anpassung eines Hörgerätes ist sehr viel komplexer. Denn auch die Leistungen des Gehörs sind vielfältig und bemerkenswert. Wer schlecht versteht, benötigt nicht einfach einen Verstärker, der alles lauter macht.
Wer unter einer Innenohrschwerhörigkeit leidet, und das sind mehr als 90 Prozent aller Menschen mit Hörproblemen, hat unterschiedlichste Schwierigkeiten. Die Stimmen und Geräusche erscheinen dann nicht nur zu leise, sondern auch verzerrt. Zugleich werden laute Geräusche sehr schnell als unangenehm, als viel zu laut empfunden. Hörsysteme müssen hier also leise Töne verstärken, laute jedoch dämpfen und alles entzerren. Und das alles abgestimmt auf das ganz individuelle Hörproblem eines speziellen Menschen. Diese Aufgabe können Hörgeräte-Akustiker lösen, denn sie sind die Fachleute für die Technik und haben viel Erfahrung mit unterschiedlichen Hörproblemen. Doch in letzter Instanz hängt der Erfolg von demjenigen ab, der fachgerecht versorgt wurde.
Hier kommen wir wieder zurück zum Vergleich mit der Brille. Hörgeräte setzt man nicht einfach ein und kann sofort perfekt hören. Zumal, wenn die Hörminderung schon lange Zeit unbehandelt bestanden hat. Wenn bestimmte Laute schon seit Jahren nicht mehr gehört wurden, hat das Gehirn verlernt, sie zu verarbeiteten. Das Gehirn - und damit der ganze Mensch - muss sich an die zurückgekehrte Klangvielfalt erst wieder gewöhnen. Das ist schön und erstrebenswert, aber es kann in den ersten Tagen auch befremdlich sein. Prof. Dr. Jürgen Kießling empfiehlt daher, die Hörgeräte-Versorgung nicht zu verzögern. "Durch eine frühzeitige Versorgung kann eine schnellere und bessere Eingewöhnung erzielt werden." Wenn beide Ohren schlecht hören, sollten unbedingt auch beide Ohren versorgt werden, wie Kießling betont.
Wenn nun aber bereits Jahre ohne Hörsysteme vergangen sind, ist es nach Prof. Kießling wichtig, "in der Anfangsphase die Tragedauer der Geräte schrittweise zu steigern. Die Gewöhnung an die veränderte akustische Wiedergabe erfordert Geduld und Beharrlichkeit." Nach dieser Eingewöhnungsphase sollten die Hörgeräte regelmäßig getragen werden, nach Möglichkeit den ganzen Tag, so Prof. Kießling. "Denn nur durch ein ?Training' des Gehirns wird aus besserem Hören schrittweise auch ein besseres Sprachverstehen." Wunder sollte man von Hörsystemen nicht erwarten. Aber besseres Hören, gutes Verstehen, wieder dabei sein: Das ist möglich. Die Lebensqualität wird deutlich besser. Darauf sollte niemand verzichten.
Weitere Informationen zum Thema Hören und Adressen von qualifizierten Hörakustikern gibt es unter www.fgh-gutes-hoeren.de oder über die
Fördergemeinschaft Gutes Hören
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Dort ist unter dem Stichwort "Gute Lösungen für Hörprobleme" auch eine ausführliche Broschüre erhältlich.
Die Reise durch das Ohr
Stellen Sie sich vor, ein Bekannter ruft Ihnen etwas zu. Der Schall wird von der Ohrmuschel (1) aufgenommen. Durch ihre Trichterform wird der Schall gesammelt und wie bei einem Hörrohr verstärkt. Auf der Reise durch den Gehörgang werden die Schallanteile zusätzlich verstärkt, die für das Verstehen der Sprache besonders wichtig sind. Dann trifft der Schall am Ende des äußeren Ohres auf das Trommelfell (2) und versetzt das pfennigstückgroße Häutchen in Schwingungen. Diese Schwingungen werden auf drei Gehörknöchelchen (3, Hammer, Amboss, Steigbügel) übertragen. Diese winzigen Knochen wirken wie ein ausgeklügeltes Hebelsystem. Sie verstärken die Trommelfellbewegung und leiten sie weiter zur Steigbügelplatte, die im Rhythmus dieser Bewegungen auf das ovale Fenster der Hörschnecke (4) des flüssigkeitsgefüllten Innenohres drückt. In der Schnecke findet der eigentliche Hörvorgang statt. Hier werden Schwingungen in Nervenimpulse umgesetzt. Das Innere der Schnecke gleicht einem komplizierten hydraulischen System, das die extrem kleinen Druckschwankungen auf die Hörsinneszellen überträgt. Die Bewegungen des Steigbügels stoßen die Innenohrflüssigkeit je nach Lautstärke und Tonhöhe unterschiedlich an und erregen so die Sinneshaare der Sinneszellen. Diese verwandeln die Schwingungen über komplizierte chemische Prozesse in Nervenimpulse, die dann über den Hörnerv (5) ins Hörzentrum des Gehirns geleitet werden. Erst dort werden sie uns als Hörempfindung bewusst und als Musik, Sprache oder ein bestimmtes Geräusch interpretiert.
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