Gesund durch's ganze Jahr
Winterdepressionen und die Gegenstrategien

Mit Befangenheit denken viele Menschen an die Zeitumstellung und die sonnenarmen Winterwochen. Alle Jahre wieder, vor allem ab Ende Oktober steigt die Zahl der depressiven Erkrankungen sprunghaft an. Allein in Deutschland leiden jedes Jahr bis zu 800.000 Menschen, darunter zwei Drittel Frauen, unter einer Winterdepression, in Fachkreisen auch als saisonal abhängige Depression (SAD) bezeichnet. Von Erschöpfung, übermäßige Traurigkeit, starken Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Unausgeglichenheit über vermehrten Appetit mit Heißhunger auf Süßigkeiten und Teigwaren bis hin zu erhöhtem Schlafbedürfnis, Nervosität und innere Unruhe sind typische Symptome. Dazu können noch körperliche Beschwerden wie Nacken-, Rücken- oder Magenschmerzen kommen. Der wiederkehrende Rhythmus der Beschwerden in der dunklen Jahreszeit ist charakteristisch. Der Mangel an natürlichem Tageslicht, die verminderte Lichtintensität im Winter gemeinsam mit den kürzeren Tagen und den abfallenden Temperaturen gelten als Auslöser. Der Körper produziert jetzt eine große Menge Melatonin und wenig Serotonin, ein Botenstoff, der die Aktivität anregt. Da auch Zucker die Produktion von Serotonin ankurbelt, erscheint den Betroffenen der Griff zu Süßigkeiten besonders verlockend. Zusätzlich machen uns die Wetterbedingungen mit ihren starken Luftdruckschwankungen einschließlich kreislaufbedingten Müdigkeitsanfällen zu schaffen. Auch unser Energielieferant Leber erlebt gleichzeitig seinen jahreszeitlichen Tiefpunkt. Bevor der Arzt konsultiert wird, können oft schon einfache Maßnahmen zur Vorbeugung eine deutliche Wirkung zeigen. Gegen das alljährliche Unwohlsein helfen tägliche Spaziergänge von etwa 30 Minuten, sowie Jogging- und Walkingtouren an der frischen Luft und ein leichtes Sportprogramm bei Tageslicht. Selbst an bewölkten Tagen kann der Körper dabei noch ausreichend Licht tanken. Als Bonus zum körperlichen Wohlbefinden werden dadurch auch die Abwehrkräfte gestärkt. Die Laune hebt ebenfalls regelmäßige Saunagänge, die nicht nur gut für die Durchblutung sind, sondern das Immunsystem genauso wie kalt-warme Wechselduschen stärken. Für bessere Gemütsstimmung sorgt außerdem die richtige Ernährung. Kohlenhydratische Lebensmitteln, wie Nudeln und Kartoffeln kurbeln ebenfalls die Produktion von Serotonin an, Obst und Gemüse versorgen den Körper mit wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelemente. Aber selbst fröhliche Farben für Kleidung und Wohnräume können zu einer kleinen Motivation begeistern. Bei ungefähr einem Prozent der Deutschen reichen diese Vorsorgemaßnahmen leider nicht aus. Sie leiden tatsächlich unter einer saisonal abhängigen Depression. Einige Patienten mit Winterdepression sprechen auf eine Lichttherapie an, wodurch die Ursache des Krankheitsbildes eingedämmt wird. Und schließlich entfaltet auch das antidepressiv wirkende Pflanzenheilmittel Johanniskraut, das vor allem bei leichteren Depressionen eingesetzt werden kann, insbesondere im Herbst und Winter eine günstige Wirkung. Bei schwerem Krankheitsverlauf ist jedoch meist eine medikamentöse Behandlung nötig, denn eine psychische Erkrankung sollte genauso behandelt werden wie eine körperliche Krankheit. Aber auch im Winter sind nicht alle depressiven Verstimmungen durch seelische Probleme verursacht. Neben einer Lebererkrankung können zum Beispiel Hormonstörungen in den Wechseljahren, Schilddrüsenunterfunktion, Nebennierenstörungen, chronische Infekte oder Kreislaufstörungen für permanente Erschöpfungszustände verantwortlich sein.
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