Gesundheit
Wenn die Mücke keinen Stich macht

Wenn die Mücke keinen Stich macht

Wer eine Fernreise in die Tropen macht, benötigt oft schon einen Kulturbeutel, um alle notwendig schützenden Medikamente mitzuführen. Hierzulande fällt die Medikamenten-Box kleiner aus, wenn es um die erfolgreiche Abwehr der sommerlichen Blutsauger geht.

In Flussniederungen oder an stehenden Gewässern kann es in Deutschland durch begünstigende klimatische Bedingungen zu einer erheblichen Vermehrung von Stechmücken kommen, die regelrecht zur Landplage werden. Aber auch abseits dieser Endemiegebiete sind die Stechmücken gut verbreitet.

Wer kennt es nicht, das nächtliche Gesumme der Schnaken, die durch das charakteristische Anfluggeräusch den letzten Nerv kosten. Hat sich das Tierchen nicht vertreiben oder vernichten lassen, kann man relativ sicher sein, dass eine Attacke bald ansteht. Haben die Stechmücken die Auswahl, so scheinen sie bei ihrer Blutmahlzeit bestimmte Menschen zu bevorzugen, die einen gewissen Cocktail aus Körpertemperatur, Schweiß, Duft- und Lockstoffen ausdünsten. Der Volksmund bezeichnet dies als "süßes Blut". Einmal auf ihrem Opfer gelandet, sucht sich die Stechmücke einen wenig behaarten und zugleich gut durchbluteten Hautbereich aus. Der eigentliche Einstich wird vom Opfer nicht bemerkt. Ein eingespritztes Betäubungsmittel verhindert den Schmerz. Ein gleichfalls mit dem Speichel abgegebener Gerinnungshemmstoff verschafft dem Blutsauger einen ungehinderten Blutfluss.

Der peinigende Juckreiz entsteht erst nachdem die Mücke bereits wieder abgedreht hat. Über eine allergische Soforttyp-Reaktion werden jetzt körpereigene Botenstoffe freigesetzt, die zu starkem Juckreiz, gelegentlich auch zu Brennen oder Schmerzen führen. In der Regel bleiben die Folgen des Stichereignisses harmlos. Die Quaddel verschwindet mit dem Juckreiz und der Spuk ist vorbei. Die Hautveränderungen können jedoch auch über mehrere Tage im Sinne einer allergischen Spätreaktion fortbestehen.

Durch das nachfolgende Kratzen kann die Integrität der Haut so geschädigt werden, dass sich bakterielle Keime, wie z. B. Staphylokken, auf der verletzten und so vorübergehend abwehrgeschwächten Hautoberfläche ausbreiten. Bei Immungeschwächten Patienten oder bei Diabetikern kann aus einem im Prinzip harmlosen Stichereignis eine schlecht heilende Wunde entstehen, die lange bestehen kann. Auch Patienten mit Neurodermitis sind besonders gefährdet, da ihre Haut bereits eine ca. 20-fach höhere Besiedlung mit Staphylokken im Vergleich zu Hautgesunden aufweist.

Die beste Therapie gegen die Stechmücken ist die Vorbeugung. Fliegengitter bieten eine gewisse Hilfe, sind aber oft nicht praktikabel. Ein Moskitonetz ist auch für Kinder ein guter Schutz. Tagsüber hilft die Fliegenklatsche, sofern man sich auf die Jagd einstellen kann. Von den diversen Mitteln zum Einreiben (Repellents lat. repellere: abwehren, vertreiben) ist z. B. der Wirkstoff Bayrepel durch die Weltgesundheitsbehörde (WHO) empfohlen. Elektroverdampfer zeigten auch Wirksamkeit. Hingegen konnte durch Mückenpiepser kein Erfolg erzielt werden.

Sind die Mückenstiche einmal eingetreten und juckt es über einen längeren Zeitraum unerträglich, kann durch eine Antihistaminika-Tablette, die übrigens auch vorbeugend hilft, der Juckreiz rasch beendet werden. Äußere Mittel sind kaum wirksam. Bei fortschreitenden Entzündungen mit Rötung, Krustenbildung oder allergischem Juckreiz ist eine hautärztliche Untersuchung und Therapie notwendig. Sieht man einmal von den besonders belasteten Stechmückenregionen ab, kann durch geeignete Vorbeugung aber auch durch eine gegebenenfalls notwendig werdende medikamentöse Therapie den Stechmücken und ihren Folgeerscheinungen wirksam begegnet werden.

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