Gesundheit
Schilddrüsenkrebs - Angst vor der Nachsorge?

Schilddrüsenkrebs - Angst vor der Nachsorge?

Jeder zehnte Bundesbürger leidet an einer Erkrankung der Schilddrüse. Die schicksalhafte Diagnose Schilddrüsenkrebs wird in Deutschland jährlich bei etwa 2.400 Menschen gestellt.

Dies entspricht einer Häufigkeit von ein bis zwei Fällen pro 100.000 Einwohner im Jahr, wobei Frauen etwa dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Da Schilddrüsenkrebs relativ selten vorkommt und den Betroffenen lange Zeit keine Schmerzen bereitet, wird die Diagnose meist erst sehr spät gestellt. Dabei stehenbei frühzeitigem Erkenneneffektive Therapien zur Verfügung und die Heilungschancen sind sehr gut.

Aufbau und Funktion der Schilddrüse

Die Schilddrüse (lat. Thyreoidea) ist eine der größten Drüsen im menschlichen Körper. Mit einem durchschnittlichen Gewicht von 15 bis 25 Gramm hat das schmetterlingsförmige Organ, das um die Luftröhre, dicht unterhalb des Kehlkopfes liegt,eine zentrale Bedeutung für den Jodstoffwechsel. Normalerweise ist die Schilddrüse von außen nicht zusehen. Nur wenn sie krankhaft vergrößert ist und einen Kropf (Struma) bildet, kann sie auch äußerlich erkennbar sein. Sie bildet die Schilddrüsenhormone T3 (Trijod-thyronin) und T4 (Thyroxin),die für zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper zuständig sind. Sie unterstützen zum Beispiel den Eiweißaufbau und das Wachstumvon Knochen und Gewebeund steuern die reibungslose Funktion von Nerven, Herz-Kreislauf und Muskeln. Dazu steht der Schilddrüse cirka 60 Prozent des Jods, das mit der Nahrung aufgenommen wird, zur Verfügung.

Einteilung und Entstehung von Schilddrüsenkrebs

Nicht jeder Knoten in der Schilddrüse ist bösartig und bedeutet für den PatientenKrebs. Dennoch sollten auftretende Knoten genau und vor allem regelmäßig untersucht werden. Schilddrüsenkrebs verursacht selten Schmerzen und besonders zu Beginn deuten nur wenige Anzeichen auf eine Erkrankung hin. Im späteren Stadium können folgende Symptome auftreten: Druckgefühl im Halsbereich, Hustenreiz,Schluck- und Atembeschwerden sowie Heiserkeit. Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung kann die moderne Tumordiagnostik denKrebs relativ früh erkennenund Größe, Lage und Ausbreitung bestimmen. Im allgemeinen wird zwischenvier Arten von Schilddrüsenkrebs unterschieden:

  • Papilläre Tumore
  • Follikuläre Tumore
  • Medulläre oder C-Zell-Tumore
  • Undifferrenzierte anaplastische Tumore

Den größten Anteil (80 Prozent) bösartiger Schilddrüsentumore haben die sogenannten differenzierten Tumore (papilläre und follikuläre Karzinome). Sie leiten sich vom eigentlichen, hormonell aktiven Schilddrüsengewebe ab und weisen ein relativ gutartiges und langsames Wachstumsverhalten auf. Die Prognose dieser differenzierten Tumore ist günstig, da sie am besten auf eine Behandlung ansprechen.Im Gegensatz hierzu stehen die undifferenzierten Tumore, die sehr schnell wachsen und daher eine ungünstige Prognose haben. Eine besondere Stellung nehmendie medullären oder C-Zell-Karzinome ein. Sie sind in der Regel erblich bedingt und die Betroffenen leiden häufig auch unter weiteren Tumoren an anderen Organen.

Diagnose und Therapie

Je früher die Diagnose gestellt wird, desto günstiger ist die Heilungsrate - besonders da heute effektive Therapieverfahren zur Verfügung stehen. Um festzustellen, ob ein Knoten in der Schilddrüse vorhanden ist, werden schilddrüsenspezifische Untersuchungen durchgeführt. Dazu gehören Tastuntersuchungen, Bluttests, Schilddrüsensonographie (Ultraschalluntersuchung) und Schilddrüsenszintigraphie (Radiojoduntersuchung).

Operation, Radiojodtherapie und Ersatz der Schilddrüsenhormone

Wird bei einem Patienten die Diagnose Schilddrüsenkrebs gestellt, erfolgt die Therapie bei einem differenzierten Schilddrüsenkarzinom in der Regel in drei Schritten: An die Entfernung der Schilddrüse schließt sich eine Radiojodtherapie an, mit der eventuell verbliebene Tumorreste oder Metastasen im Körper beseitigt werden. Danach erhalten die Patienten Schilddrüsenhormone in Tablettenform, die die fehlende körpereigene Hormonproduktion ersetzen und lebenslang eingenommen werden müssen. Die Radiojodtherapie nutzt die Fähigkeit des Tumorgewebes, Jod zu speichern und zerstört dies durch die radioaktive Strahlung. Die Verabreichung von radioaktivem Jod ist durch die lokal begrenzte Strahlenwirkung eine effektive und risikoarme therapeutische Maßnahme und wird von den Patienten gut vertragen.

Therapiedurchbruch in der Nachsorge

Neben einer medikamentösen Behandlung zum Ausgleich der fehlenden Schilddrüsen-Hormon-produktion ist eine lebenslange Nachsorge bei Patienten mit einem differenzierten Schilddrüsenkarzinom unerlässlich. Rückfälle (Rezidive), Metastasen oder auch Folge-erkrankungen treten manchmal erst Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung auf. Die Rückkehr in den Alltag nach einer Operation ist für die Krebspatienten nicht immer leicht und stellt für die Betroffenen selbst als auch für Familie und Angehörige eine große Herausforderung dar. Die Behandlung ist nach der Operation nicht beendet, denn jetzt sollte die genaue Einhaltung der Therapie und der Nachsorgetermine eine zentrale Rolle im Leben der Patienten erhalten.

Im Mittelpunkt der Nachsorgeuntersuchung stehen körperliche Grunduntersuchungen, Röntgenaufnahmen, Szintigramme und Labortests. Dazu müssen die Patienten die Schilddrüsenhormone etwa vier Wochen vor der Untersuchung absetzen, da nur bei einem Hormonmangel eine optimale Radiojodaufnahme in Metastasen gewährleistet ist. Durch das fehlende Schilddrüsenhormon geraten die Patienten in eine für sie sehr unangenehme Phase der Unterfunktion. Verminderte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung und depressive Verstimmung sind häufig die Folgen. Viele Patienten berichten über eine völlige Antriebsschwäche, Konzentrationsmangel, die dazu führt, das alltägliche Dinge wie arbeiten, einkaufen, autofahren kaum noch möglich sind. Die Folgen der Unterfunktion vor und während der Kontrolluntersuchung stellen gerade Berufstätige oft vor große Probleme und beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Der Zeitraum vom Beginn des Entzugs bis zur erneuten Normalisierung des Schilddrüsenhormonspiegels kann bis zu zehn Wochen andauern. Heute ist es möglich diese Phase auf fünfTage zu reduzieren. Die Nebenwirkungen gehen vollständig zurück, wenn die Schilddrüsenhormone in der angepassten Dosis wieder eingenommen werden dürfen.

Verkürzte Nachsorge und Erhalt der Lebensqualität durch den Einsatz von rekombinantem humanem TSH

Ein großer Schritt für Patient und Arzt ist mit der Entwicklung von rekombinantem humanen TSH gelungen. Mit dem Begriff "rhTSH" wird menschliches Thyreoidea (Schilddrüse) Stimulierendes Hormon (TSH) bezeichnet, das mit Hilfe gentechnischer Methoden hergestellt wurde. Es hat dem natürlichen menschlichen TSH vergleichbare Eigenschaften und löst keine allergischen Reaktionen aus. Die neue Therapie ist sicher und wird von den Patienten gut vertragen. Im Vergleich zu den Auswirkungen der Schilddrüsen Unterfunktion nach Hormonentzug sind die Nebenwirkungen sehr gering. Lediglich über leichte Kopfschmerzen oder Übelkeit wurde berichtet. Durch den Einsatz von rekombinantem humanem TSH in der Nachsorge wird die Testplanung für Arzt und Patient vereinfacht und verkürzt sich im Vergleich zum herkömmlichen Entzugsintervall, von bis zu zehn Wochen, auf nur noch fünf Tage. Dies bedeutet für die Patienten eine geringere psychische Belastung und eine Steigerung der Lebensqualität. Die meisten Patienten können weiter ihrer Berufstätigkeit nachgehen und müssen keine Angst mehr vor der Nachsorge haben. Der Einsatz von rekombinantem humanem TSH setzt in der Nachsorgetherapie bei differenziertem Schilddrüsenkarzinom neue Maßstäbe. 

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