Gesundheit
Psychotherapeutische Behandlung von Depressionen

Psychotherapeutische Behandlung von Depressionen

Verständlicherweise wünschen sich die meisten depressiven Menschen, dass ihre Krankheit einfach verschwindet und scheuen vor der Anstrengung einer intensiven Bearbeitung zurück.

Bleiben die Ursachen jedoch im Dunkeln, besteht die Gefahr, dass die Depression nur ihre Symptome ändert und sich bald in anderer Gestalt wieder zeigt. Damit die Kranken den Hintergrund ihrer Depression verstehen, werden tiefenpsychologische Therapiegespräche durchgeführt. Mit verhaltenstherapeutischen Methoden sollen aktuelle Einstellungen, die Hilflosigkeit und Depression fördern, abgebaut werden. Auch eine Familientherapie kann sehr hilfreich sein.

Der wichtigste Ansatzpunkt der tiefenpsychologisch-analytischen Therapie ist das starke Bedürfnis, das der Patient nach Zuwendung und Bestätigung hat. Es kann erst erfüllt werden, wenn er aufhört, sich ständig selbst zu entwerten und zu verurteilen, und so die Anerkennung und Zuwendung seiner Umgebung wahrnehmen und akzeptieren kann. Dazu beleuchtet die tiefenpsychologische Therapie den Zusammenhang zwischen der Depression und der Lebensgeschichte des Patienten. Der Therapeut geht mit dem Patienten in Gesprächen bis in die Jugend und die frühe Kindheit zurück und hilft ihm so, seine Probleme zu erkennen und zu bearbeiten. Außerdem werden auch aktuell erlebte Kränkungen und Belastungen in bestehenden Beziehungen oder im Arbeitsalltag besprochen und bearbeitet.

Im Verlauf der Therapie erkennt der Patient seine Persönlichkeitsstruktur und gewinnt die Möglichkeit, die Verhaltensweisen, die ihm bewusst geworden sind, zu verändern.

Es ist notwendig, dass in der Therapie die Gefühle, die bisher verdrängt und eingesperrt wurden, bewusst gemacht und aktuell wahrgenommen werden. Dadurch, dass der Therapeut gleichzeitig als Spiegel, Deuter und positive Bezugsperson fungiert, kann er die Heilung der frühen Verletzungen des Patienten unterstützen.

In der Verhaltenstherapie geht es primär um die Bewältigung der aktuellen Situation. Der Patient bekommt zum Beispiel Hausaufgaben. Er soll aufschreiben, in welchen konkreten Situationen welche Gefühle und Stimmungen auftreten. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf angenehmen Erfahrungen, und es geht darum, die Häufigkeit von angenehmen Situationen zu erhöhen und so das Befinden des Patienten zu verbessern. Durch die Verhaltenstherapie erlernt der Depressive ein Verhalten, das eine positive Verstärkung und die Bestätigung seiner Person durch die Umwelt auslöst.

Die Familientherapie stellt die Situation der Familie als Gruppe in den Mittelpunkt und hilft bei der aktiven und gemeinsamen Lösung der Probleme. Jedes Familienmitglied erhält dabei unparteiische Unterstützung. Die Behandlung versucht, das Selbstwertgefühl der einzelnen Familienmitglieder und den Zusammenhalt aller untereinander zu stärken, die Kommunikation zu verbessern und schädigende Beziehungsmuster zu verändern.

Alle drei Formen der Therapie sind bei allen Altersgruppen anwendbar und können parallel zur medikamentösen Behandlung durchgeführt werden.

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