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Mentale Fitness im Alter

Mentale Fitness im Alter - Denken Senioren anders?

So reaktionsschnell wie der junge ist der alte Mensch nicht. Aber in seinen Erfahrungen ist er weit voraus. Und sein Gehirn ist bis ins hohe Alter fähig, dazu zu lernen.

Denken Senioren anders? In gewisser Weise ja. Rasche medizinische Fortschritte helfen, sehr alt zu werden. Unsere Organe halten da noch nicht mit. Mit zunehmendem Alter zeigen sie Verschleißerscheinungen. Dazu gehört, dass der Mensch schlechter riecht, hört und sieht. Deshalb braucht sein Gehirn länger, um auf die Umwelt zu reagieren. Ältere Menschen werden deshalb in ihren Bewegungen und Reaktionen langsamer, um bis das Zweifache im Verhältnis zu früher.

Neuronen-Nachschub bis ins hohe Alter

Das Gehirn von Senioren aber verliert seine Fähigkeit nicht, neue Zellen zu bilden und die Kontaktstellen dazwischen. Bis ins hohe Alter kann es immer neue Strukturen entstehen lassen. Es ist in der Lage, sich auf einen wesentlich größeren Vorrat an Erfahrungen zu beziehen, als das Gehirn von Jüngeren. Die heutige Senioren-Generation kann schneller Kopfrechnen als Junge, weil sie das Einmaleins noch intensiv üben mussten. Erhält das Gehirn Älterer allerdings zu wenig Impulse, dann werden die Strukturen abgebaut.

Sport ist ein Jungbrunnen

Regelmäßiger Sport beugt Durchblutungsstörungen im Gehirn vor. Er fördert die Bildung von Proteinen, mit deren Hilfe Neuronen und Synapsen entstehen. Angenommen wird sogar, dass sich in einigen Arealen des Gehirns Strukturen erst durch den Anreiz von Bewegung bilden. Bewegungsübungen für Senioren sollen insbesondere den Gleichgewichtssinn, die Fähigkeit schnell zu reagieren und das Koordinationsvermögen trainieren und dem Muskelabbau vorbeugen.

Altersvergesslichkeit ist normal

Dass das Erinnerungsvermögen mit zunehmendem Alter nachlässt, ist in einem gewissen Umfang völlig normal, denn die Hirnteile, die für das Erinnern und Lernen zuständig sind, bauen sich im Alter am schnellsten ab. Man spricht dann von der Altersvergesslichkeit. Sie nimmt im Laufe eines Jahres kaum merklich zu und ausschließlich das Gedächtnis ist davon betroffen. Altersvergesslichkeit heißt noch lange nicht Alzheimer oder Demenz. Nur ein Arztbesuch kann klären, ob tatsächlich eine Störung vorliegt und was für Ursachen sie haben könnte. Für Vergesslichkeit gibt es noch zahlreiche andere Gründe, wie zum Beispiel schlechte Blutzuckerwerte oder Vitaminmangel.

Gedächtinistraining für Senioren

Schon ein großer Kalender und eine analoge Uhr mit einem gut lesbaren Zifferblatt im Raum unterstützen das chronometrische Gedächtnis. Das bewusste Erleben von Tageszeiten und Wochentagen erhalten die zeitliche Orientierung.

Über das motorische Gedächtnis trainieren Hochleistungssportler ihre optimale Leistung. Sie konzentrieren sich auf ihr Körperinneres und gehen im Geist Bewegungsabläufe minutiös durch. Ein Tennisspieler stärkt damit seinen Aufschlag, der Torwart sein Reaktionsvermögen. Das können wir auch. Wir können im Kopf Handlungen verbessern, die uns normalerweise schwer fallen, zum Beispiel Tanzschritte.

Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich konzentriert vor: mit welchem Schritt beginne ich? Ist es ein großer oder ein kleiner Schritt? Führe ich ihn mit einer Drehung aus? In welche Richtung dreht sich mein Körper? Wie verlagere ich dabei mein Gewicht? Und so fort.

Zu unseren Gedächtnissystemen zählen ebenso Gerüche und Laute, die sich dem Gehirn wesentlich stärker eingeprägt haben, als abstraktes Wissen. So können sich demente Patienten noch im fortgeschrittenen Stadium an Kinderlieder erinnern und mitsingen. Gerüche wecken lange verschüttete Kindheitserinnerungen.

Was man nicht übt, vergisst man eines Tages. Deshalb sollten sich Senioren ganz gezielt jeden Tag mit zwei Selbstverständlichkeiten beschäftigen, mit Zahlen und Buchstaben. Ziffern zu erkennen, fällt meist leichter, als Buchstaben zu zuordnen. Dabei trainiert gerade das Schreiben die Wortvielfalt und die Redegewandheit. Beim Schreiben müssen wir aufmerksam sein, überlegen, im Langzeitgedächtnis suchen, erinnern, reflektieren, urteilen. Es muss nicht gleich ein Roman sein. Der Einkaufszettel, eine Grußkarte oder die Aufzeichnung vom täglichen Wetter sind ein guter Anfang.

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