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Herpesvirusinfektion der Katze

Herpesvirusinfektion der Katze

Eine der häufigsten Virusinfektionen der Katze stellt die Infektion mit dem felinen Herpesvirus 1 (FHV-1), einem von mehreren Erregern des Katzenschnupfens dar. Es handelt sich hierbei um ein speziesspezifisches Virus, das ausschließlich bei Katzen zu Krankheitssymptomen führt, und bis auf sehr wenige Ausnahmen bisher auch nur bei Katzen nachgewiesen werden konnte.

Infektionen mit FHV-1 finden über die Schleimhäute der Mundhöhle und des Rachens (oral), über die Nasenschleimhaut (nasal) oder über die Schleimhäute des Auges (conjunktival) statt. Die Übertragung erfolgt entweder direkt (zum Beispiel durch Bisse) oder aber über virushaltige Sekrete.

Da das FHV-1 relativ temperaturempfindlich ist und eine Vermehrung des Virus nur bei Temperaturen bis 37°C stattfindet, werden vor allem die relativ kühlen Schleimhäute von Mund, Rachen, Nase und Auge befallen. Hier vermehrt sich das Virus in den obersten Schichten der Schleimhaut (Epithelzellen), wodurch es zu Entzündungen der Schleimhaut bis hin zum mehr oder weniger großflächigen Gewebsuntergang (Nekrosen) kommt. Sehr häufig ist eine Doppelinfektion des FHV-1 mit dem felinen Calicivirus (FCV) zu beobachten, das ebenfalls zu einer Schädigung der Schleimhaut, vor allem auf der Zunge führt. Die so vorgeschädigten Schleimhäute sind wesentlich anfälliger für bakterielle Sekundärinfektionen, die das Krankheitsbild weiter verkomplizieren können.

Eine Besonderheit, die allen Herpesviren gemein ist, ist deren besondere Fähigkeit, dem Immunsystem des Trägers zu entgehen. Zum Einen findet die Übertragung der Viren in den Schleimhäuten von einer infizierten Zelle zur Nachbarzelle statt, wodurch sie den in Blut und Lymphe zirkulierenden Antikörpern entgehen können. Zum Anderen besitzen die FHV-1 die Fähigkeit sich in Nervenzellen "zurückzuziehen" und so ebenfalls dem Immunsystem zu entgehen. In den Nervenzellen können die FHV-1 auch bei scheinbar geheilten Katzen zum Teil über Jahre überdauern und bei einer Schwächung des Immunsystems (durch Stress oder andere Infektionen) zu einem erneuten Aufflammen der Erkrankung führen.

Als Symptome einer FHV-1-Infektion sind, analog zur hauptsächlichen Lokalisation der Viren, Niesen, Nasenausfluss, übermäßiger Speichelfluss, Augenausfluss, Nahrungsverweigerung, Fieber sowie eine Störung des Allgemeinbefindens zu beobachten. Diese Symptome können bei entsprechenden Sekundärinfektionen in ihrer Intensität zum Teil besorgniserregende Ausmaße annehmen.

Diagnostiziert werden kann die Erkrankung durch den behandelnden Tierarzt in aller Regel schon anhand der Symptomatik. Im Zweifelsfall kann jedoch auch der Nachweis der Viren aus den Sekreten von Mund, Nase und Augen durch den behandelnden Tierarzt in Kooperation mit einem Speziallabor erfolgen.

Eine Therapie, die zur sicheren Eliminierung der FHV-1 aus dem Körper der Katze führt, ist zum momentanen Zeitpunkt nicht bekannt. In schweren Fällen ist es jedoch versuchsweise möglich, die Virusvermehrung durch antivirale Medikamente zu verlangsamen. Einen relativ neuen Therapieansatz stellt der Einsatz von felinem Interferon dar (auf den ich in der nächsten Ausgabe von Gesundheit aktuell eingehen möchte).

Diese Fakten verdeutlichen, dass vor allem der Prophylaxe einer Infektion eine entscheidende Bedeutung zugemessen werden kann. Diese Prophylaxe findet in Form einer Impfung, die erstmalig in der 4. – 9. Lebenswoche erfolgen sollte, statt. Selbst wenn die Impfung im Einzelfall die Infektion nicht völlig verhindern kann, führt sie doch zu einer wesentlich milderen Verlaufsform der Erkrankung.

 

© Christian Bank (Tierarzt)

Kleintierpraxis Dr. Lewitschek







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