Gesundheit
Grenzen der Homöopathie

Grenzen der Homöopathie

Wie jede andere Disziplin in der Medizin hat auch die Homöopathie ihre Grenzen. Diese zu kennen ist Grundvoraussetzung für eine seriöse und glaubwürdige Anwendung der Methode. Grenzen lassen sich finden auf Seiten des Patienten, seiner Erkrankung, aber auch auf Seiten des homöopathischen Arztes und nicht zuletzt in der Methode selbst.

Der Patient

Unverzichtbare Voraussetzung seitens des Patienten ist seine Fähigkeit, seine Krankheits-phänomene bewusst wahrzu-nehmen und dann auch noch möglichst authentisch zu schildern bzw. in Worte zu fassen. Er sollte die Klassische Homöopathie und ihre Hintergründe kennen, um den Therapieverlauf aktiv und kritisch begleiten zu können. Vertrauen zum Arzt und Geduld im therapeutischen Prozess sind gerade bei chronischen oder schwereren Erkrankungen weitere Voraussetzungen. Nicht zuletzt muss seine "Lebens-kraft" als Resonanzboden für die homöopathische Arznei ausreichen, damit Besserung der Beschwerden und sogar Heilung möglich wird.

Der Arzt

Voraussetzungen auf Seiten des homöopathischen Arztes sind eine fundierte und anerkannte Ausbildung mit entsprechend großer Arzneimittelkenntnis, regelmäßige eigene Fortbildung und Supervision und ausreichend lange Erfahrung in der Praxis. Aber auch die menschliche Fähigkeit, eine tragfähige und auf Vertrauen gründende Beziehung zum Patienten herzustellen, Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt Geschick in der Gesprächs - und Anamneseführung gehören zum Handwerkszeug des erfolgreichen homöopathischen Arztes.

Erkrankungen, bei denen der homöopathische Arzt auf oftmals unüberwindliche Schwierigkeiten stößt und Heilung im besten Sinne nicht mehr möglich sein wird, stellen degenerative Erkrankungen - wie etwa die Parkinsonsche Erkrankung - oder solche mit bereits zerstörten Organstrukturen – zum Beispiel Erkrankungen der Herzklappen oder narbige Veränderungen am Magenausgang nach wiederholten Magengeschwüren - dar. Aber auch schwere, chronische und über lange Zeit schulmedizinisch "unterdrückend" behandelte Krankheiten gehören ebenso wie Tumorerkrankungen und Krankheiten mit wenigen oder keinen homöopathisch verwertbaren Symptomen in die Hände besonders erfahrener homöopathischer Ärztinnen und Ärzte, die womöglich noch zusätzlich eine fachärztliche Kompetenz, etwa als Gynäkologen, Neurologen, Kinderärzte oder Internisten besitzen.

Die Methode

Die Methode findet ihre Grenze dort, wo die Ähnlichkeitsregel - Similia similibus curentur - Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt - nicht (mehr) anwendbar ist. Dies ist der Fall, wenn Patienten zum Beispiel keine individuellen Symptome wahrnehmen oder beschreiben können, oder auch, wenn Krankheiten keine homöopathisch verwertbaren Symptome hervorrufen. Das Fehlen zuverlässiger Arzneimittelprüfungen und praktischer Erfahrungen bei seltenen, "kleinen" homöopathischen Mitteln kann im Einzelfall ebenso ein Hindernis für das Wirksamwerden der Homöopathie darstellen wie die Güte der Zubereitung der Arzneien. Und nicht zuletzt gibt es nicht selten sogenannte "Heilhindernisse" in der Konstitution – etwa eine Bindegewebsschwäche oder eine Wirbelsäulenverkrümmung - oder im beruflichen bzw. psychosozialen Umfeld des Patienten – zum Beispiel der regelmäßige Kontakt mit schädigenden Chemikalien, unlösbare Spannungen am Arbeitsplatz oder Konflikte in der Partnerschaft. Heilungshindernisse müssen erkannt und unter Umständen durch andere Maßnahmen beseitigt werden, wenn dies möglich ist.

Fehlen einzelne oder mehrere der genannten Voraussetzungen, so können die Grenzen der Homöopathie mehr oder weniger rasch erreicht werden. Die glaubwürdige und konsequente Anwendung der Homöopathie setzt voraus, dass der behandelnde Arzt sich dieser Grenzen bewusst ist und seinen Patienten im Einzelfall auf bestehende Erschwernisse und Hindernisse für eine Heilung im aufklärenden Gespräch hinweist. Nur unter diesen Umständen bleibt die Klassische Homöopathie Hahnemanns eine rationale Heilkunst.

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