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Auszeichnung Webadressbuch 2015
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Divertikulose, Divertikulitis

Divertikulose, Divertikulitis

Unter einem Divertikel versteht man ganz allgemein eine Ausstülpung der Wand eines Hohlorgans (z. B. Darm, Harnblase, Speiseröhre) nach außen. Man unterscheidet angeborene Divertikel (so genannte echte Divertikel), bei denen sich die gesamte Wand mit all ihren Schichten ausstülpt, von erworbenen (so genannten Pseudo- oder falschen Divertikeln). Diese treten im Bereich der Durchtritte der die Schleimhaut versorgenden Blutgefäße durch die Wand des Darmes auf, da dies natürliche Schwachstellen der Darmwand darstellt. Bei Druckerhöhung im Darm und Schwächung der Darmwand im Alter können sich dann die inneren Wandschichten des Dickdarms nach außen vorwölben.

Die Dickdarmdivertikel entstehen meistens in dem als Sigma bezeichneten Abschnitt des Dickdarms und sind bei Bewohnern westlicher Industrienationen sehr häufig zu finden. Das Sigma liegt unmittelbar vor dem Enddarm und damit ca. 16 – 50 cm vom After entfernt.

Dickdarmdivertikel sind vor allem im höheren Lebensalter ein sehr häufiger Befund: Sie finden sich bei etwa 40% der über 60-jährigen und bei 70% der über 70-jährigen. Häufig finden sich gleich mehrere Divertikel beim selben Menschen. Männer und Frauen sind gleichhäufig betroffen, es zeigen sich aber erhebliche geographische Unterschiede was die ursächliche Wirkung der Ernährungsgewohnheit als einen mitauslösenden Faktor für die Entstehung von Divertikeln unterstreicht. So scheint die ballaststoffarme, typisch westliche Ernährungsweise zu einer deutlichen Druckerhöhung im Darm zu führen und dadurch das Auftreten von Divertikeln zu begünstigen. In weiten Teilen Asiens, Afrikas und Chinas ist die Divertikulose beispielsweise völlig unbekannt.

Das klinische Spektrum reicht von der meist asymptomatischen Divertikulose (das bloße Vorhandensein von Divertikeln) über die Divertikelkrankheit mit geringer Symptomatik bis hin zur komplizierten Divertikelkrankheit mit potentiell tödlichen Komplikationen. Diese sind die so genannte Divertikulitis (Entzündung der Divertikel) mit der möglichen Ausbildung von Abszessen, Fisteln oder narbigen Engen, Perforationen (Darmdurchbruch) und Blutungen.

Die Mehrheit der Patienten (75 – 80%) mit Divertikeln bleibt lebenslang asymptomatisch, die Divertikel finden sich meist bei einer aus anderen Gründen durchgeführten Koloskopie (Dickdarmspiegelung). Typische Symptome der einfachen Divertikelkrankheit sind Stuhlunregelmäßigkeiten, Neigung zur Obstipation (Verstopfung) sowie linksseitige Unterbauchbeschwerden. Wenn sich Kot in einem Divertikel festsetzt, kommt es zur Reizung der Darmwand. Normalerweise harmlose Darmbakterien können in die Darmwand eindringen, und es kommt zur so genannten Divertikulitis. Schreitet dieser entzündliche Prozess fort, kann die entzündliche Schwellung zur Verengung, das Aufbrechen von Blutgefäßen zur Blutung und das tiefe Eindringen des entzündlichen Prozesses zur Perforation führen. Beim Bestehen einer komplizierten Divertikelkrankheit bestimmen die Komplikationen das klinische Bild.

Das Vorliegen einer Divertikelkrankheit ergibt sich zum einen aus den vom Patienten geschilderten typischen Beschwerden. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie Sonographie, Computertomographie und Magnetresonanzuntersuchung und die Koloskopie den Verdacht auf das Vorliegen von Divertikeln und bereits möglicher Komplikationen sichern.

Die einfache Divertikulose kann durch ballaststoffreiche Ernährung günstig beeinflusst werden. Auch bei der einfachen Divertikelkrankheit wird eine Ernährungsumstellung auf ballaststoffreiche Kost wie Obst und Gemüse nach Abklingen der akuten Symptomatik, die unter Umständen auch mit Breitbandspektrum-Antibiotika behandelt werden muss, empfohlen. Bei etwa 20 – 30% der Patienten, die die erste Episode einer akuten Divertikulitis überstanden haben, tritt in der Folgezeit eine weitere Attacke auf. Solche erneut auftretenden Schübe sprechen deutlich schlechter auf eine medikamentöse Therapie an.

Bei der komplizierten Divertikelkrankheit richtet sich die Therapie nach der klinischen Symptomatik. In vielen Fällen muss operativ das betroffene Darmsegment entfernt werden, es ist aber meist möglich eine einseitige Resektion ohne Notwendigkeit für die Anlage eines vorübergehenden künstlichen Darmausgangs durchzuführen.

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