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Depressionen behandeln

Depressionen behandeln

Die Depression gehört zu den häufigsten, aber auch zu den am meisten unterschätzten Erkrankungen. Im Gegensatz zu körperlichen Problemen wird die psychische Störung allerdings oft nicht ernst genug genommen, und die dringend erforderliche ärztliche Behandlung unterbleibt.

Diese professionelle Hilfe ist ganz besonders wichtig, wenn der Betroffene Selbstmordgedanken entwickelt. Das können stark ausgeprägte Todeswünsche sein oder gelegentliche Gedankenspiele. Solche Gedanken und Wünsche sind sehr oft Bestandteil von Depressionen. Sie sollten unbedingt ernst genommen werden. Auch unabhängig von der Suizidalität kann z.B. bei älteren Menschen die Depression durch Rückzugsneigung ins Bett, durch Appetitlosigkeit oder durch zu geringe Flüssigkeitsaufnahme sehr rasch zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Auch der Verlauf vieler anderer Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus oder der Zustand nach einem Herzinfarkt werden äußerst negativ beeinflusst, wenn gleichzeitig eine unbehandelte Depression vorliegt.

Depressionen sollten auch von Angehörigen, Freunden, Arbeitskollegen u.a. als eine schwerwiegende Erkrankung anerkannt werden, bei der andere Gesetze gelten als bei normalen Stimmungsschwankungen. Deshalb ist es falsch, den Depressiven aufzufordern, sich zusammenzureißen. Solche Ermahnungen an einen hoffnungslosen, apathischen und willensschwachen Patienten pflegen seine Verzweiflung noch zu verstärken. Der Depressive ist nicht unwillig, er ist krankheitsbedingt unfähig.

Ebenso wenig hilfreich ist es, dem Depressiven Ablenkungs-, Vergnügungs- oder Zerstreuungsmöglichkeiten anzubieten oder zu empfehlen. Mit solchen Maßnahmen kann ein Mensch, der ja die Fähigkeit verloren hat, sich zu freuen, nichts anfangen. Im Gegenteil: Es wird ihn noch mehr deprimieren und obendrein in Schuldgefühle stürzen. Man sollte nicht versuchen, dem Depressiven einzureden, dass es ihm doch gut gehe. Wenn es ihm gut ginge, wüsste er das selbst am besten. So aber muss er diese Äußerung nur als Verkennung seines Zustandes oder als Beweis des Misstrauens verstehen.

Die Auseinandersetzung und Kommunikation mit Depressiven ist oft sehr schwierig. Am besten ist es, Mitgefühl zu zeigen und Gefühle sowohl zu akzeptieren als auch zu äußern.

Damit der Kranke zur vollständigen Genesung kommt, ist eine ärztliche Behandlung unbedingt notwendig. Das kann vor allem zu Beginn auf heftigen Widerstand stoßen, weil Depressive sich nicht für krank halten. Möglicherweise schämen sie sich auch, weil sie kein "ordentliches", d.h. für jedermann nachvollziehbares Leiden vorweisen können. Ausgerechnet im fortgeschrittenen Stadium ist dann die fehlende Krankheitseinsicht sogar noch typisch und wird durch unglaubliche Schuldgefühle erschwert. Die Angehörigen dürfen sich aber keinesfalls entmutigen lassen, selbst wenn der Patient unnahbar, reizbar oder aggressiv wird. Das ist nicht persönlich gemeint. Oft gelingt es nur durch liebevolle Unterstützung, den Depressiven zu einer ärztlichen Behandlung zu bewegen.

Letztlich muss man sich vor Augen führen, dass die Depression eine der sozial schwerwiegendsten Erkrankungen im Gesundheitssystem überhaupt ist. Sie kann nicht nur in erheblichem Umfang zu Selbstmordfällen führen, sondern die Arbeits- und Lebensfähigkeit der Betroffenen nachhaltig beeinträchtigen.

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