Gesundheit
Diabetes und Nierenfunktionsstörungen

Diabetes und Nierenfunktionsstörungen

Je früher desto besser - Dieses Motto trifft in hohem Maße für die gesundheitliche Aufklärung von Diabetes-Patienten zu. Sie sollten von ihrem Arzt frühzeitig über die wesentlichen medizinischen Zusammenhänge ihrer Erkrankung informiert werden, insbesondere über deren Folgen. Dazu zählt häufig eine Nierenerkrankung, bisweilen Nierenversagen. Rechtzeitiger fachkundiger Rat kann helfen, Schädigungen der Nieren zu vermeiden, zu verzögern oder - falls es doch dazu kommt - neue Perspektiven, zum Beispiel durch die Wahl der geeigneten Dialyse-Therapie, aufzuzeigen.

Charakteristisch für eine Diabetes mellitus-Erkrankung ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Er führt unter anderem dazu, dass große und kleinere Blutgefäße der Niere geschädigt werden. Nach und nach verringert sich dadurch die Filterfunktion der Nieren. Als Folge scheidet der Körper vermehrt Eiweiß aus. Dieses lässt sich im Urin relativ einfach nachweisen. Wird Diabetes mellitus frühzeitig erkannt und behandelt, können Folgeschäden der Nieren meist hinausgezögert oder verhindert werden. Aber auch andere Faktoren können die Funktion der Nieren von Diabetikern beeinträchtigen: erhöhter Blutdruck und erhöhte Blutfette. Beide Werte sollten deshalb regelmäßig kontrolliert und - wenn nötig - behandelt werden.

Ernährung ist das A und O

Die richtige Ernährung spielt bei Diabetikern eine wichtige Rolle. Solange ihre Nieren einwandfrei funktionieren, können sie sich weitgehend an den "goldenen" Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientieren: vielseitig essen, aber in Maßen, wenig Fett und wenige fettreiche Lebensmittel, würzig, aber nicht salzig, kaum Süßes, viele Vollkornprodukte, reichlich Gemüse und Obst, wenig tierisches Eiweiß, trinken mit Verstand (wenig Alkohol), öfter eher kleinere Mahlzeiten, schmackhaft und schonend zubereitet. Ferner sollten Diabetiker Übergewicht abbauen, sich regelmäßig bewegen und nicht rauchen. All dies sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt dienen dem Wohlbefinden und der Gesundheit und beugen einer Nierenerkrankung vor.

Kalium und Phosphat meiden

Wenn die Nierenfunktion von Diabetikern beeinträchtigt ist, gelten die meisten der oben genannten goldenen Regeln weiter. Einige müssen aber genauer aufgeschlüsselt werden: So können Diabetiker mit eingeschränkter Nierenfunktion zwar weiterhin Gemüse und Obst genießen, sollten aber solchen Sorten den Vorzug geben, die wenig Kalium enthalten. Zurückhaltung ist auch bei Vollkornprodukten geboten, die neben Kalium auch viel Phosphat enthalten. Ein erhöhter Kaliumspiegel kann bei eingeschränkter Nierenfunktion zu Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen oder sogar zu Herzversagen führen; wird Phosphat - beispielsweise durch eine Nierenerkrankung - im Körper nicht mehr ausreichend abgebaut, sind meist Knochenerkrankungen die Folge. Auch hier kann eine frühzeitige Beratung durch den Arzt oder Ernährungsexperten Komplikationen vermeiden helfen.

Kommt es trotzdem über die Jahre hinweg zu Nierenversagen, ist wiederum der Arzt gefordert, dem Diabetiker neue Perspektiven aufzuzeigen. Infolge einer umfassenden und frühzeitigen Information und Aufklärung über die verschiedenen Dialyse-Verfahren kann für den Patienten die für ihn gesundheitlich am besten geeignete Nierenersatz-Therapie gefunden werden. Immer häufiger kann gleichzeitig auch sein Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit berücksichtigt und dadurch seine Lebensqualität insgesamt deutlich gesteigert werden.

Die Dialyse-Verfahren

Grundsätzlich stehen zwei Dialyse-Verfahren zur Auswahl: Bei der Hämo-Dialyse (HD) wird der Patient meist drei Mal pro Woche an eine Dialyse-Maschine angeschlossen. Über ein Schlauchsystem wird dem Körper Blut entzogen und ihm nach Reinigung in einem externen Filter – der „künstlichen Niere“ – wieder zugeführt. Die vier- bis sechsstündige Behandlung findet meist in Dialyse-Zentren statt, in seltenen Fällen zu Hause.

Für eine Behandlung in den eigenen vier Wänden oder auch unterwegs bietet sich die Peritoneal-Dialyse (PD) an. Hierbei dient das Bauchfell (Peritoneum), ein dichtes, insgesamt rund 2 m2 großes Geflecht von Blutkapillaren, als Filter. Frische Dialyse-Lösung fließt hierzu über einen ständigen Katheter in die Bauchhöhle. Sie nimmt im Bauchfell Schadstoffe und überschüssige Flüssigkeit auf und transportiert sie nach einigen Stunden Verweilzeit über den Katheter aus dem Körper heraus.

Der Patient kann die PD selbst durchführen. Unter hygienischen Bedingungen verbindet er dabei vier Mal täglich seinen Katheter mit einem hoch gehängten Beutel frischer Dialyse-Lösung einerseits und einem tiefer lagernden leeren Beutel andererseits. Dank der Schwerkraft befindet sich nach einer halben Stunde frische Lösung in der Bauchhöhle und verbrauchte Lösung außerhalb des Körpers im Auffangbeutel. Diese erste Variante der PD heißt Kontinuierliche Ambulante Peritoneal-Dialyse (CAPD). Bei der zweiten Variante der PD, der Automatisierten Peritoneal-Dialyse (APD), überlässt der Patient einem computergesteuerten Gerät den Austausch der Dialyse-Flüssigkeit über Nacht.

Mit PD Eiweiße und Glukose im Griff

Sowohl PD als auch HD lassen sich bei Diabetes-Patienten anwenden. Die PD bietet gerade mit Blick auf die Ernährung, beziehungsweise zwei wichtige Nahrungsbestandteile, einige Vorteile für Dialyse-Patienten mit Diabetes. Während der Diabetiker möglichst wenig Eiweiß essen soll, weil es die Nierenfunktion beeinträchtigen kann, soll ein Dialyse-Patient möglichst viel biologisch hochwertige Eiweiße (Fisch, Fleisch, Geflügel) zu sich nehmen. Die kleinsten Eiweiß-Bausteine, die Aminosäuren, gehen nämlich während der Dialyse verloren, sind aber wiederum für den Aufbau und Erhalt der Körperzellen notwendig. Bei der PD kann das Dilemma, das daraus für dialysepflichtige Diabetiker entsteht, teilweise behoben werden: bei Bedarf kann bei PD-Patienten die Basis-Dialyse-Lösung durch eine aminosäurehaltige Lösung ergänzt werden (z.B. durch Nutrineal von der Firma Baxter). Ähnliches gilt für Glukose, die in verschiedenen Kohlenhydraten, den wichtigsten Energielieferanten für Dialyse-Patienten, enthalten ist. Patienten mit Diabetes mellitus müssen die Aufnahme von Glukose wegen des Blutzuckers kontrollieren. Für sie gibt es im Rahmen der PD glukosefreie Dialyse-Lösungen (z.B. Extraneal und Nutrineal von Baxter). Sie können in einem individuell auf den Gesundheitszustand des Patienten abgestimmten Verhältnis zur glukosehaltigen Basis-Lösung verordnet werden.

Regeln und Spielräume rund um die Ernährung lassen sich mit der PD für jeden dialysepflichtigen Diabetiker individuell zusammenstellen. Und auch hier gilt: fachkundige Aufklärung und Beratung sollten möglichst früh erfolgen, vor allem aber sollten das gesamte Spektrum und die Vorzüge der verschiedenen Dialyse-Verfahren einbezogen werden. So können die Weichen für eine optimale Behandlung rechtzeitig richtig gestellt werden - ein entscheidender Beitrag für die Gesundheit und die Lebensqualität von dialysepflichtigen Diabetes-Patienten.

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