Antikörper: Neue Therapieansätze bei Darmkrebs

Antikörper: Neue Therapieansätze bei Darmkrebs

Antikörper: Neue Therapieansätze bei Darmkrebs

Bis vor kurzer Zeit standen für die meisten Krebsarten nur die Therapieoptionen Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie zur Verfügung. In den letzten Jahrzehnten wurden jedoch in der Krebsforschung viele neue Erkenntnisse über die Wachstumseigenschaften von Krebszellen gewonnen. Anhand dieser Erkenntnisse konnten neue, gezielte Therapien gegen Krebs entwickelt werden.

 

Eines dieser neuen Verfahren ist die Krebstherapie mit monoklonalen Antikörpern, die seit letztem Jahr auch in der Darmkrebsbehandlung eingesetzt werden. Sie gehen zielgerichtet gegen die bösartigen Tumorzellen vor und verursachen weniger Nebenwirkungen. Daher spricht man häufig von einer "targeted therapy" (zielgerichtete Therapie). Auf englisch heißen die monoklonalen Antikörper "monoclonal antibodies", weshalb sich die Endung "mab" in vielen Wirkstoffnamen wiederfindet.

 

Auf der Suche nach dem richtigen Angriffspunkt analysierten Forscher verschiedene Krebszellen und fanden heraus, dass diese gegenüber normalen Zellen eine deutlich erhöhte Zahl von Wachstumsfaktorrezeptoren, den EGF-Rezeptoren (aus dem Englischen "epidermal growth factor receptor" = epidermaler Wachstumsfaktorrezeptor) auf der Oberfläche trugen. Damit stand fest: Eine erhöhte Zahl von EGF-Rezeptoren kann dazu beitragen, eine gesunde Zelle in eine Krebszelle zu verwandeln. Darüber hinaus geht bei vielen Tumoren eine übermäßige Zahl von EGF-Rezeptoren auf der Tumoroberfläche mit einer schlechten Prognose aufgrund kürzerer Überlebenszeiten und/oder vermehrter Metastasierung für den Patienten einher. Außerdem sinken mit steigender Anzahl von EGF-Rezeptoren auf den Tumorzellen die Chancen für eine erfolgreiche Chemotherapie. EGF-Rezeptoren sind an der Entstehung und dem Fortschreiten vieler Krebserkrankungen beteiligt, wie z. B. Lungenkrebs, Brustkrebs, Prostatakrebs, Eierstockkrebs, Dickdarmkrebs oder Tumoren an Kopf und Hals.

 

An den EGF-Rezeptor auf der Zellenoberfläche bindet der zugehörige epidermale Wachstumsfaktor EGF (aus dem englischen: epidermal growth factor = epidermaler Wachstumsfaktor), der durch Signalübertragung ins Zellinnere den Tumor zum Wachstum anregt. Auch die Bildung neuer Blutgefäße, die den Tumor versorgen sollen, wird durch diese Signalkette angestoßen. Der monoklonale Antikörper Cetuximab, der seit Juni letzten Jahres zur Behandlung des fortgeschrittenen Darmkrebses in Deutschland zugelassen ist, besetzt den Rezeptor auf der Tumoroberfläche. Der zugehörige Wachstumsfaktor EGF kann nicht mehr binden und seine Botschaft übermitteln. Die Weiterleitung des Signals zur vermehrten Zellteilung und somit zum Tumorwachstum wird verhindert. Cetuximab unterstützt darüber hinaus sowohl das körpereigene Immunsystem als auch zusätzliche Hilfe von außen – wie Chemotherapie und Bestrahlung –, um den Krebs "klein zu kriegen": Der Tumor hört auf zu wachsen. Dadurch wird die Wirkung von Chemotherapien verstärkt. Resistenzen gegen Chemotherapeutika, wie z. B. im Fall von Cetuximab zum ersten Mal belegt werden konnte, können aufgehoben werden. Daher wird dieser Antikörper häufig mit einer Chemotherapie, wie z. B. in der Behandlung des fortgeschrittenen Darmkrebses, kombiniert.