Gesundheit
Neuartiger Wirkstoff in der Brustkrebs-Behandlung

Neuartiger Wirkstoff in der Brustkrebs-Behandlung

Von Brustkrebs ist eine von neun Frauen im Verlauf ihres Lebens betroffen, und obwohl viele Tumore früh erkannt und erfolgreich behandelt werden, wird immer noch eine große Anzahl von Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs diagnostiziert.

Tausende Frauen werden jedes Jahr mit fortgeschrittenem Brustkrebs diagnostiziert - die Diagnose eines fortgeschrittenen Brustkrebses bedeutet, dass sich ein ursprünglich auf die Brust begrenzter Tumor auf andere Teile des Körpers ausgebreitet hat. Genauer ausgedrückt spricht man von fortgeschrittenem Brustkrebs, wenn die Brustkrebszellen Tumore in anderen Teilen des Körpers wie in der Lunge, der Leber oder im Knochengewebe gebildet haben.

Therapie der Wahl ist die Operation, eventuell mit vorangehender Chemotherapie zur Verkleinerung des Tumors. Soweit möglich, wird der brusterhaltenden Operation der Vorzug gegeben. Bei ausgedehntem Tumor ist eine Amputation der Brust nicht zu vermeiden. In jedem Fall werden auch die Lymphknoten der Achselhöhle entnommen, um das Stadium der Erkrankung zu bestimmen. Auch die genaue Gewebsuntersuchung ist für die weitere Behandlung entscheidend, vor allem die Bestimmung der so genannten Hormon-Rezeptoren. Die Nachbehandlung wird individuell, abhängig vom Alter der Patientin, der Empfindlichkeit des Tumors auf Hormone und vom Stadium der Erkrankung, festgelegt.

Das Behandlungsziel für diese Frauen ist es, ein effektives Ansprechen der Erkrankung zu erreichen, und diesen Patientinnen so lange wie absolut möglich eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs stellen Hormonmittel wie Aromatasehemmer und Tamoxifen die Standardtherapie dar und bieten eine effektive und gut tolerierte Behandlungsoption. Über längere Zeiträume jedoch können Tumorzellen eine Resistenz gegen die Behandlung mit diesen Hormontherapien aufbauen; daraus ergibt sich der Bedarf nach neuen Arzneimitteln, gegen die der Tumor nicht resistent ist. Der Wirkstoff Fulvestrant stellt eine neue viel versprechende Therapiemöglichkeit dar, die Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs neue Möglichkeiten bietet und die Anzahl der zur Kontrolle der Erkrankung einsetzbaren "patientinnenfreundlichen" Hormontherapien weiter ausbaut.

Viele Mammakarzinome sind für ihr Wachstum auf die Anwesenheit von Östrogen angewiesen. Die heutzutage verwendeten Aromatasehemmer wirken durch eine Verringerung des Östrogenspiegels im Körper der Frau. Tamoxifen (ein Antiöstrogen) blockiert die Östrogenrezeptoren. Allerdings ahmt Tamoxifen auch die Östrogenwirkung nach. Daher besteht nach einigen Jahren besteht jedoch die Gefahr, dass die bremsende Wirkung dieses Medikaments in den gegenteiligen Effekt umschlägt. So kann Tamoxifen zwar dem Verlust von Knochendichte und erhöhten Cholesterinwerten entgegenwirken, andererseits aber auch das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut anregen. Frauen, die Tamoxifen nehmen, haben dort ein Krebsrisiko, das um das Zwei- bis Vierfache im Vergleich zu Frauen ohne Tamoxifen erhöht ist.

Die Wirkungsweise von Fulvestrant dagegen basiert auf der Blockade und dem Ausschalten der Östrogenrezeptoren in den Zellen des Mammakarzinoms und ahmt daher nicht, wie dies bei Tamoxifen der Fall ist, die Wirkung von Östrogen nach. Diese Wechselwirkung führt zum Verlust des Östrogenrezeptors in den Krebszellen (Downregulierung). Fulvestrant greift Krebszellen an, die gegen die gängigen Behandlungsalternativen mit Antiöstrogenen unempfindlich geworden sind.

Mit dieser einzigartigen Wirkungsweise von Fulvestrant ergibt sich eine neue Möglichkeit von Hormonbehandlung für einen Östrogenrezeptorpositiven Brustkrebs. Fulvestrant bietet ein länger anhaltendes Ansprechen der Krankheit auf die Behandlung. Im Vergleich zu den Aromatasehemmern und Tamoxifen bietet es Vorteile in der Verträglichkeit. Sollte trotz einer früheren Antiöstrogenbehandlung und Aromatasehemmertherapie das Mammakarzinom nicht zurückgehen oder sogar wachsen, kann immer noch Fulvestrant eingesetzt werden. Zudem sind beide Therapien auch nach einer Behandlung mit Fulvestrant wirksam.

Im Gegensatz zu vielen anderen Hormontherapien wird Fulvestrant einmal monatlich als Spritze mit langsamer Wirkstofffreisetzung in den Muskel verabreicht. Die einfache monatliche Injektion bietet Vorteile für alle Patientinnen, insbesondere aber für ältere und/oder vergessliche Patientinnen. Damit ergibt sich zum ersten Mal eine monatliche Alternative zu der einmal täglich einzunehmenden Tablette. Da es sich dabei um eine Hormonbehandlung handelt, werden die häufig mit einer Chemotherapie einhergehenden Nebenwirkungen vermieden. Die Betroffenen können sich auf ihr Leben und müssen sich nicht auf die Krankheit konzentrieren.

Ab dem Jahr 2004 wurden in Deutschland Röntgenuntersuchen der Brust (Mammografie) als eine flächendeckende Untersuchung für Frauen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr ermöglicht und von den Kassen bezahlt.

Fulvestrant ist der erste Vertreter der reinen Östrogenrezeptor-Antagonisten. Es wurde im März 2006 EU-weit zugelassen. Die Zulassung von Fulvestrant basiert auf Daten aus zwei umfangreichen Studien mit Beteiligung von mehr als 800 postmenopausalen Frauen mit fortgeschrittenen Brustkrebs, deren Tumor nach früheren Hormonbehandlungen erneut wuchs. In den Studien wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Fulvestrant mit der von Aromatasehemmern verglichen. Derzeit darf Fulvestrant nach einem Versagen von Tamoxifen eingesetzt werden. Das heißt, eine Patientin, die Tamoxifen als adjuvante Therapie erhalten hat, kann beim Auftreten von Metastasen Fulvestrant erhalten. Allerdings muss auch im Falle einer Metastasierung ebenfalls eine Tamoxifentherapie vorausgegangen sein.

Der Wirkstoff Fulvestrant bietet eine Chance, die hormonelle Behandlung erfolgreich zu verlängern, bevor auf die weniger verträgliche Chemotherapie umgestiegen werden muss.

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